Deutscher Gewerkschaftsbund

15.03.2017

DGB Markgräflerland: Starke Frauen – Frauen stärken

Anlässlich des diesjährigen Weltfrauentages veranstaltete der Kreisverband Markgräflerland einen Gesprächsabend zum Thema: Leben Frauen gefährlich(er)?

Als Referenten waren Claudia Winker, Leiterin von Frauenhorizonte – gegen sexuelle Gewalt e. V., Freiburg, und Karl-Heinz Schmid vom Polizeipräsidium Freiburg, Referat Prävention, eingeladen.

Aufgeladen durch die Vorkommnisse der Kölner Silvesternacht (2015/2016) und die Morde an der Freiburger Studentin und der Joggerin in Endingen sind viele sehr verunsichert und der Eindruck hat sich tatsächlich festgesetzt, dass Frauen gefährdeter als vor Jahren sind. Stimmt das wirklich? Ein klares Nein dazu von beiden Referenten, sowohl die Fallzahlen der Polizei als auch die Erfahrungen von Frauenhorizonte lassen das nicht zu.

Allerdings haben sich, insbesondere wegen Köln, viel mehr Frauen getraut, sich an Beratungsstellen zu wenden. Bei Frauenhorizonte sind die Beratungszahlen deswegen um 30 % angestiegen. „Damit ist sexuelle Gewalt gegen Frauen kein Tabuthema mehr; Frauen trauen sich, sich Hilfe zu holen; auch durch solche Veranstaltungen wie die heutige“, so Winker.

Polizist Schmid stellt klar, dass Frauen ihren Peiniger meist kennen. „Er stammt fast immer aus dem sozialen Nahraum; der Freiburger und der Endiger Fall bilden eine absolute Ausnahme“. Für den Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald zitiert er aus der Statistik 2015: „Dort lebten vor zwei Jahren ca. 75.000 Frauen zwischen 16 und 75 Jahren; darunter sind 20 Vergewaltigungsopfer. Nur zwei davon kannten den Täter nicht“.

Publikum

DGB/Steinebrunner

Er spricht von einem „Blumenstrauß“, der Frauen viele Möglichkeiten zum Selbstschutz böte: Dazu zählen insbesondere:

§  Immer vorbereitet sein und bleiben. Zum Beispiel das Auto auch bei Helligkeit nicht unbedacht abstellen, sondern sich selbst hinterfragen: Ist meine Sicherheit an diesem Platz auch bei Dunkelheit gewährleistet?

§  Warnsignale annehmen. Schmid rät: „Vertrauen sie auf ihr Bauchgefühl!“

§  Entwickeln sie ein Gefahrenbewußtsein! „Vermeiden sie lärmige, schmutzige, dunkle Ecken!“

§  Helle Wege nutzen!

§  Weiterfahren bis zur nächsten Haltestelle, wenn die eigentlich ausgewählte unsicher erscheint.

§  Mitmenschen konkret um Unterstützung ansprechen, z. B. den Fahrer im ÖPNV, andere Fahrgäste.

§  Die Polizei unter 110 kontaktieren.

§  Das Schreien üben, z. B. im Auto.

§  Frech und bestimmt auftreten – das ist „unattraktiv“ für potentielle Täter.

Referenten

DGB/Steinebrunner

Schmid stellt klar: „Gewalt ist männlich! Und eine Form von Gewalt ist auch das bloße Anstarren bzw. derbe oder unzüchtige Bemerkungen!“

Er und Winker sehen Reizgas eher kritisch. Eine Gefahr bei Reizgas ist, dass es sich auch direkt gegen die angegriffene Person richten kann. „Wenn sie Reizgas für ihr Sicherheitsgefühl nutzen wollen, dann üben sie dessen Einsatz vorher. Also kaufen sie sich zwei. Und drücken sie auf die Dose im Fall des Falles immer mit dem Daumen und nicht mit dem Zeigefinger“, empfiehlt Schmid.  Sinnvoller seien Taschenalarme, die bereits ab 5 EUR erworben werden können. „Damit haben wir in unserer Beratungsstelle sehr gute Erfahrungen gemacht“, erklärt Claudia Winker.  

Lesen Sie hier die Berichterstattung der Badischen Zeitung:

http://www.badische-zeitung.de/muellheim/nein-heisst-nein--134460557.html


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