Deutscher Gewerkschaftsbund

07.03.2017

DGB Ortenau: Sinkflug der Rente muss gestoppt werden

Buntenbach

Bild von links Martin Spraul, Jan Wieczorek, Annelie Buntenbach, Jörg Brandstetter, Thomas Lampert Peter Meier

Oberkirch (m). Im Rahmen der bundesweiten Rentenkampagne des Deutschen Gewerkschaftsbundes war vergangene Woche Annelie Buntenbach, Mitglied des geschäftsführenden DGB-Bundesvorstandes, bei der Papierfabrik Koehler zu Besuch. Nach Gesprächen mit Geschäftsleitung und Betriebsrat ging sie am Nachmittag in einer Pressekonferenz auf die grundsätzlichen Forderungen des DGB und der Gewerkschaften zur Rente ein, aber auch auf die Situation von Arbeitnehmern, die Jahrzehnte im Vollkontischichtbetrieb im Einsatz sind.

An der Pressekonferenz nahmen neben den freigestellten Koehler-Betriebsräten Thomas Lampert, Jörg Brandstetter und Martin Spraul auch Gewerkschaftssekretär Jan Wieczorek (Freiburg) teil. "Wir stehen heute schon vor dem Problem, dass viele Menschen mit ihrer Rente in der Altersarmut angekommen sind", betonte er, diese Entwicklung werde sich in Zukunft mit dem weiteren Absinken des Rentenniveaus noch erheblich verschlimmern. Deshalb gebe es für die Politik dringenden Änderungs- und Regelungsbedarf. "Der Sinkflug in der Rente war durch die eine politische Entscheidung im Jahr 2001 bewusst so gewollt", rief Annelie Buntenbach in Erinnerung. Deswegen sei es auch die Politik, die den Sinkflug stoppen kann und muss. Heute betrage das Rentenniveau 48 Prozent und wird, wenn sich nichts ändert, bis 2045 auf unter 42 Prozent sinken. „Unter einem Rentenniveau von 48 Prozent ist keine gute Rente zu haben“ betonte Buntenbach. Ziel müsse es deshalb sein, weitere Absenkungen durch eine Stärkung der gesetzlichen Rentenversicherung auf dem heutigen Niveau zu stabilisieren und nach und nach wieder auf 50 Prozent zu erhöhen. Dass die Politik das einzusehen beginnt zeige sich am Beispiel von Arbeitsministerin Nahles, die davon spricht, bei einem Niveau von 46 Prozent eine "Haltelinie" einzuführen. Das reiche aber nicht, um den sozialen Abstieg im Rentenalter zu verhindern. „Wer jahrzehntelang gearbeitet und in die Rentenkasse eingezahlt hat, muss im Alter eine Rente bekommen, von der man im Alter auch in Würde leben kann“, verlangte Buntenbach. Zu diesem Konsens müsse die Politik wieder zurückkehren und daran werden die Parteien im Bundestagswahlkampf auch zu erinnern sein.

Als 2001 die Absenkung des Rentenniveaus beschlossen wurde, sollte die private Vorsorge beispielsweise über das Riester-Modell gestärkt werden, rief Buntenbach in Erinnerung. Das habe aber nicht funktioniert. Die Idee, über die Rendite und Verzinsung der privaten Anlagen zu profitieren sei seit der Finanzkrise 2008 eine Illusion. Eine weitere Anhebung des Rentenalters auf 70 Jahre, wie das Finanzminister Schäuble in die Diskussion gebracht hat sei aber keine Lösung, das machten die Betriebsräte deutlich. Wer im Vierschichtbetrieb arbeitet, bekomme bereits Probleme, wenn er auf die 60 zugeht. Über Jahrzehnte gegen den normalen Biorhythmus arbeiten zu müssen, ergänzt durch die Arbeitsverdichtung und psychischen Druck, führe zu Schlaflosigkeit, mehr Ausfalltagen und dem Wunsch, keine Nachtschicht mehr arbeiten zu müssen, so Lampert. Andererseits sei es nicht einfach, alle, die das wünschen, in der Tagschicht unterzubringen. Auch die Altersteilzeit, wie sin in der Papierindustrie noch möglich ist, werde von vielen nicht in Anspruch genommen, wenn sie sehen, dass sie nach 45 Jahren Schichtarbeit mit einer Rente von im Schnitt rund 1250 Euro auskommen müssen. Früher aufzuhören können sich deshalb wegen der Abschläge viele nicht leisten.


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